Katholische Kirchengemeinde St.Martin - Leutkirch im Allgäu
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Das Projekt „Kirchengemeinde“: ein Projekt aller Getauften

 

Am 28. Mai wurde Matthäus Karrer in Rottenburg zum neuen Weihbischof unserer Diözese geweiht. Er ist weiterhin Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Sein Team und er suchen nach Antworten wie die Kirchengemeinde, also die Gemeinde am Ort unter veränderten Bedingungen bestehen können. Was sich verändert, nehmen wir auch in unserer Kirche am Ort, in Leutkirch, wahr. Bischof Moser hat vor 30 Jahren von der Verdunstung des Glaubens gesprochen. Glaube und Kirche verlieren an Bedeutung. Die Volkskirche, wie sie meine Großeltern kannten, ist nicht mehr. Das war eine Kirche, wie wir sie nur noch aus Filmen kennen: volle Kirchen, mehrere Messen am Sonntag, viele Priester und Ordensschwestern in unserer Stadt. Diese Gestalt von Kirche hatte ihre schönen Seiten: Volksfrömmigkeit und Kirche war überall, Gemeinschaft war erlebbar. Sie hatte aber auch ihre Schattenseiten: Zur Volkskirche gehörten alle. Wer nicht dazugehörte, wurde an den Rand gedrängt. Für viele war es keine freie Entscheidung, ob sie dazugehören oder nicht. Sie waren einfach dabei, weil sie hier geboren wurden.

Wir erleben auch im Allgäu den Übergang in eine neue Kirchengestalt, die von Freiwilligkeit geprägt ist. Diese Veränderung wollen wir mitgestalten. Wie werden die „Leute“ aus Leutkirch ihren Glauben in zwanzig Jahren zum Ausdruck bringen? Wo feiern sie? Denn die neue Kirchengestalt wird sich, wie keine andere zuvor, daran messen lassen müssen, ob sie Antworten darauf findet. Und ob sie die Fragen stellt, die die Menschen von Kirche erwarten – ohne dass sie fertige Antworten liefert: Wie wollen wir unsere Toten in Leutkirch bestatten? Was bedeutet unserer Kirchengemeinde Projekte und Einrichtungen wie das Sternsingen oder unsere Kindergärten oder unser Jugendhaus?

Unser neuer Weihbischof meint, dass wir auf diese Fragen keine Antwort geben können, wenn wir sie aus dem Blickwinkel der Volkskirche stellen. In der Volkskirche wurde „versorgt“. Die Pfarrer hatten ihre Herde stets im Blick und umsorgten sie. Wir müssen vor allem auch erkennen, so Matthäus Karrer in einem Interview, „dass Kirchengemeinde nicht ein Projekt des Pfarrers oder der hauptberuflichen pastoralen Dienste ist“. In erster Linie werden sie „von allen Getauften getragen und gestaltet“.

Es ist toll, wie viele Menschen aus unserer Gemeinde so ihre Kirche am Ort mitgestalten. Denn Pfarrer oder Pastoralreferent oder Diakon können nicht alle Gruppen, Gremien und Einrichtungen leiten. Müssen sie auch nicht, weil es so viele begabte und fähige „Leute“ in Leutkirch gibt. Pfingsten erinnert daran: Dass wir als Getaufte und Gefirmte den Auftrag haben, das, was unsere Kirche ausmacht, nach außen zu tragen: indem wir uns um kranke und alte Menschen sorgen, indem wir Familien gründen und Kinder erziehen, indem wir aktiv sind in Gruppen, die dafür sorgen, dass Kirche und Glaube in der Welt von heute ihren Platz haben.   

Pastoralreferent Benjamin Sigg

 

 
 
 

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